Back to prohibition
Die Hedge Funds-Industrie muss jetzt auf ihr Vokabular achten. Als
direkte Folge der Verpflichtung zur Registrierung können die
gerne ausgeschmückten Aussagen der Manager von der SEC mit
der harten Realität verglichen werden, egal, ob sie von Kunden
verklagt werden oder nicht. So werden «enorme Renditen»
(huge returns) oder «alles wird abgesichert» (everything
is hedged) zu gefährlichen Aussagen. Man sollte auch die Gewohnheit
aufgeben, von einer «in etwa konstanten Performance»
(um einen Verlust von 2-3% zu beschreiben) zu sprechen, oder damit
zu prahlen, mehr als in Tat und Wahrheit zu managen. Do you speak
hedge? Ja? Dann sprechen Sie bitte nach: «My lawyer is rich».
Mit der Zeit gehen
Jim Rogers, Co-Gründer von Quantum mit George Soros, hat den
Charme und die Intuition der alten Füchse. 25 Jahre, nachdem
er zum ersten Mal (mit 37 Jahren!) in Pension ging, mag er Hedge
Funds nicht mehr und gibt dies auch lautstark zu verstehen: «Ich
habe mir sagen lassen, dass es weltweit 10'000 Hedge Funds gibt.
Bei so einer Übervölkerung muss es auch Scharlatane und
Unfähige geben. Es kann auf der Welt nicht so viele 29-jährige
Genies geben.»
Eine Frage der Ehre
George Soros ist von einem Pariser Gericht 2002 zu einer Busse von
2.2 Millionen Euro verurteilt worden. Er hatte ein Interview mit
dem französischen Financier Georges Pebereau, der vor 17 Jahren
eine Börsenjagd gegen Société Générale
zu lancieren beabsichtigte, in Kaufaufträge umgemünzt.
Anstatt diesen im Vergleich zu seinem Vermögen lächerlichen
Betrag zu bezahlen und Ruhe zu haben, zog dieser Mann es vor, höchstpersönlich
seine Ehre zu verteidigen und zu beweisen, dass kein Insiderdelikt
vorlag, da er nicht als Einziger im Besitz dieser Information gewesen
war. Die Richter sind ihm nicht gefolgt, denn sie haben ihren Schuldspruch
letzten März bestätigt. Soros will Berufung einlegen.
Fortsetzung folgt…
ZAHLEN
Europäer bei alternativen Anlagen an der Spitze
Gemäss einer Studie von Greenwich Associates stieg der Anteil
der in Hedge Funds investierten europäischen Institutionellen
von einem Viertel (23%) auf ein Drittel (32%) an. Dieser Anstieg
ist stärker als in den USA (von 23% auf 28%)! Bei den amerikanischen
Pensionskassen ist der durchschnittliche Anteil der Hedge Funds
zwar 2004 nur von 1.3 auf 1.9% angewachsen, aber die gemeinnützigen
Werke und Stiftungen haben ihrerseits innert 4 Jahren den Anteil
verdoppelt; er erreicht nun 10%. Ungefähr ein Drittel der letzteren
investieren direkt in Single Hedge Funds, während 44% lieber
Funds of Hedge Funds einsetzen.
Im Übrigen weist HFR 2004 einen Anstieg von 15% der Kapitalzuflüsse
in Hedge Funds europäischer Herkunft aus, bei total 22.8 Milliarden
USD. Sie bilden zirka ein Drittel der 73.6 Milliarden weltweiter
Investitionen in diese Anlageklasse im letzten Jahr. Das Gesamtvermögen
der Hedge Funds wäre so um 19%, auf 972.6 Mia. USD, angestiegen.
Andere Experten gehen jedoch davon aus, dass das tatsächliche
Volumen weit über 1’000 Mia. beträgt. HFR meint
auch, dass 2004 253 neue Hedge Funds gegründet worden seien
(2003: 228), mehrheitlich europäische Fonds.
Die Hennesse-Gruppe schätzt, dass die gesamte Anzahl der Hedge
Funds 8’050, gegenüber 7’000 vor einem Jahr, erreicht
hat. Die Arbitrage- und Event Driven-Fonds haben die meisten Zuflüsse
angezogen, mit einer Zunahme ihres Volumens 2004 von 27%. Unter
diesen profitierten die Multistrategie-Fonds am meisten von diesem
Anstieg, während die meisten Monostrategie-Fonds Abflüsse
zu verzeichnen hatten.
Hedge Funds = gute Kunden!
Gemäss Credit Suisse First Boston haben die Investmentbanken
2004 einen Achtel ihres Einkommens, also 25 Mia. USD, mit Hedge
Funds verdient. Etwa 19 Mia. stammen aus dem Trading, der Rest lässt
sich den Prime Brokerage-Tätigkeiten zuweisen, darunter die
Wertpapierleihe, das Clearing und das Settlement.
INDUSTRIE
Skandal in Deutschland: Loch von fast einer Milliarde Franken bei
Phoenix
Nach einer von der Direktion von Phoenix Kapitaldienst (gegründet
1977) ausgegebenen Warnung ist der «Phoenix Managed Account»,
der bei Man Financial in London deponiert ist, von der BaFin (die
deutsche Überwachungsbehörde) am 11. März geschlossen
worden. Dieses «verwaltete Konto» wurde zwar nicht als
Fonds registriert, legte aber trotzdem genauso in Optionen auf den
amerikanischen Terminbörsen an. Verdächtigt wird der für
das Produkt zuständige Chefhändler Michael Milde: er soll
während mehr als 7 Jahren die Konten gefälscht haben,
sehr wahrscheinlich unter Mithilfe aussenstehender Komplizen. Der
Unterschied zwischen der Endabrechnung von Phoenix und derjenigen
des Londoner Brokers beträgt 600 Millionen Euro, also drei
Viertel der von Phoenix vor der Aufdeckung des Betrugs laut eigenen
Angaben verwalteten 800 Millionen Euro. 30 000 Anleger, darunter
viele Schweizer, könnten davon betroffen sein, denn das Verkaufsnetz
von Phoenix ist mittels Intermediären weit verzweigt. Dieter
Breitkreuz, der Gründer der sich heute in Konkurs befindlichen
Gesellschaft, war vor einem Jahr bei einem Flugunfall in Gruoz (Graubünden)
ums Leben gekommen.
LODH und ADI gründen GéA
Lombard Odier Darier Hentsch & Cie hat in Paris eine gemeinsame
Filiale mit ADI-Alternative Investments gegründet. Diese Filiale
wird sich GéA (Gestion équilibrée alternative)
nennen und die Multistrategy-Kenntnisse der Schweizer Bank mit der
Erfahrung von ADI im alternativen Management in Echtzeit verbinden.
Im Übrigen hat sich das Team für alternative Anlagen von
LODH & Cie in Genf zum Risk Management der Hedge Fund-Portfolios
für die Lösung Fofix von Riskdata entschieden. Der Erwerb
dieses Produkts erlaubt es den Managern, die Risiken der Fonds zu
quantifizieren, in welche sie investieren, und diese Daten auf der
Ebene ihrer Funds of Funds aufzubereiten. Ihre Basis sind NAV, Berichte
sowie Positionen der Fonds.
Produkte
Do it yourself
Genug von den Fund Pickern? Heimweh nach Lego? Hier kommen die «Bricks»,
eine gemeinsam vom Genfer Manager Unigestion und den Franzosen Société
Générale und Lyxor lancierte, nach Strategien spezialisierte
Produktefamilie (zurzeit 8)! Sie besteht aus einer Auswahl aus den
zirka 140 Managed Accounts von Lyxor (ebenfalls in den investierbaren
Indizes von MSCI zu finden). Der Genfer, bis anhin nur «Haute
Couture»-Manager, überwacht das Zurechtschneidern der
Bricks. Dann tritt der Anleger als Maurer in Aktion, mit –
auf Wunsch – monatlichen Ratschlägen des Bauherrn und
einem wöchentlichen Umtauschrecht. Trotzdem eher Topheimwerkern
vorbehalten, denn es gilt, Bricks zu gewinnen, ohne sie zu zerschlagen.
Fonds allemands made in Switzerland
Harcourt hat zwei neue deutsche On-Shore-Funds of Funds im Auftrag
von Cominvest (eine Division der Commerzbank) lanciert. Harcourt
ist deren Exklusivproduzent. In einem Markt mit Startschwierigkeiten
– die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind aufwändig und
kostspielig – ist der Schlüssel zum Erfolg eine Kostenreduktion
dank Grösse, also ein breiter Vertrieb.
UEB hat ihre Funds of Funds zugelassen
Die Genfer Privatbank UEB ist schon seit bald zehn Jahren in alternativen
Anlagen aktiv, doch sie hat eben erst vier Funds of Hedge Funds
in der Schweiz registrieren lassen, jeweils in CHF, EUR und USD
unterteilt. Die Portfolios werden von Genf aus verwaltet, aber als
Berater des Managers fungieren grosse Namen der alternativen Anlagen,
beide mit Sitz in London: Fauchier Partners für den UEB Arbitrage,
und FRM (Financial Risk Management) für die UEB Long/Short,
Diversity und Gold Alternative. Die vier Produkte bieten monatliche
Liquidität und einen wöchentlichen NAV. Bezüglich
der derzeitigen Positionen herrscht totale Transparenz.
PENSIONSkassen
Blasen und Bläschen
CalPERS, die grösste amerikanische Pensionskasse, hat sich
entschieden: Die Allokation in Hedge Funds wird 2005 verdoppelt.
Von 925 Mio. USD steigt sie auf 2 Mia., und die gesamte Hedge Funds-Allokation
erreicht so 1.2% ihrer Aktiva. Nicht gerade überwältigend,
aber doch mehr als genug, um ihren Berater, Wilshire Associates,
zu beunruhigen, der sie vor dem baldigen Platzen einer Blase gewarnt
hatte. Bei der UBS hat man sicher einige Bläschen getrunken,
als man diese Neuigkeit erfuhr. Unser nationaler Gigant ist nämlich
einer der beiden offiziellen Fund Picker der kalifornischen Kasse,
mit Pacific Alternative Asset Management.
3 Milliarden USD mehr in Japan
Mehr als die Hälfte der 300 grössten japanischen Kassen
beabsichtigen, 2005 in Hedge Funds zu investieren, laut dem Magazin
Global Money Management, in Höhe von durchschnittlich 20 bis
30 Mio. USD pro Kasse. Allein der Riese Dai-Ichi Mutual Life Insurance
möchte 2005 mehr als 100 Mio. USD in Single Hedge Funds investieren
– dabei war sein Hedge Funds-Portfolio (500 Mio. USD) bis
anhin vorwiegend in Funds of Funds investiert.
PEOPLE & Business
Das Raubtier von Pfäffikon
Es ist bald ein offenes Geheimnis: Wie ein Löwe im Käfig
wartete Rainer-Marc Frey, der junge Gründer und derzeitige
CEO von RMF, die 2002 von Man übernommen worden war, nur noch
auf das Ende seines Vertrags (Ende Mai), um loszuziehen. Eigentlich
hat er ja nicht nur gewartet: Im Juni 2004 hat er fast ein Dutzend
Gesellschaften und Holdings mit «Horizon 21» in ihrem
Namen gegründet. Weit geht er nicht fort: Diese Gesellschaften
sind am historischen Hauptsitz von RMF domiziliert, einen Steinwurf
vom Schweizer Sitz von Man entfernt. Er behält übrigens
eine Stelle als Berater von Man.
Tony Morrongiello, Ex-CEO von 3A, gründet Caliburn Capital
Partners
Nach mehr als 4 Jahren an der Spitze von 3A, der alternativen Abteilung
der Bank Syz, gründet Tony Morrongiello, zusammen mit Christopher
Buckley und Jeremy Rowlands (mit ihm hatte er bereits 1983 die Brokerfirma
Carnegie gegründet) seine eigene Gesellschaft für die
Auswahl von Hedge Funds, Caliburn Capital Partners. Ein vierter
Partner, Sam Berwick, vertritt Mizuho International (europäische
Filiale einer der grössten Bankengruppen der Welt, Mizuho,
die aus der Annäherung zwischen der Dai-Ichi Kangyo Bank, der
Fuji Bank, und der Industrial Bank of Japan entstand), die 25 Millionen
USD in die Gesellschaft investiert hat, gegen eine Beteiligung von
20%. Caliburn Capital Partners ist in London und Genf beheimatet
und wird auch Single Hedge Funds managen dürfen.
Der neue CEO von 3A heisst Jean Keller
Die Bank Syz hat einen neuen CEO für 3A SA erkoren. Die Wahl
fiel auf Jean Keller, dank seiner im Lauf von 8 Jahren bei LODH
erworbenen Erfahrung in der Welt der Institutionellen. Dort hatte
er das Londoner und New Yorker Büro geleitet. Seine Bemühungen
werden von einem in den letzten Monaten beträchtlich verstärkten
Verkaufsteam unterstützt. Ziel: die Präsenz in Europa
von 3A besonders in den deutschsprachigen Ländern, Skandinavien,
Zentraleuropa und Benelux zu verstärken. Die Syz-Gruppe verwaltet
zirka 9 Milliarden CHF, davon 2 in alternativen Anlagen.
Bucephale wechselt Jockeys
Eine der ältesten Schweizer Hedge Fund-Boutiquen, Bucephale,
hat soeben Laurent Chevallier, CFA, zum CIO ernannt. Der Besitzer
eines MBA kommt nach 9 Jahren aus den USA zurück, wo er zunächst
Head of Research von Weston Capital war, bevor er, als Co-Gründer
von Quest Partners, bereits den Posten eines CIO bekleidete. Der Gründer
von Bucephale, Giuseppe Tomé, zieht sich nicht vollständig
zurück, sondern nimmt die Stelle des Ehrenpräsidenten ein
und überlässt den Posten als Präsidenten Michel Réthoret.
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